Donnerstag, 12. September 2013

Leseprobe: Shadowkiller - und niemand hört deinen Schrei von Jordan Dane

Leseprobe: Shadowkiller - und niemand hört deinen Schrei von Jordan Dane

South Padre Island, Texas Mitte Juni, nach Mitternacht

Irgendwo in ihrem tiefsten Inneren wusste Danielle Montgomery, dass es nicht richtig war, und ihr Schuldbewusstsein hatte ein Gesicht. Das Gesicht von Momma. Mit störender, beharrlicher Regelmäßigkeit blitzte in ihrem Kopf die Erinnerung an ihre Mutter auf.
»Natürlich sind das typisch katholische Schuldgefühle«, murmelte sie leise vor sich hin, drehte den Ring ihrer Abschlussklasse an ihrem Finger und atmete tief ein. »Aber wozu geht man regelmäßig zur Beichte, wenn man trotzdem nie was Neues zu erzählen hat?«
Sie hielt ihren Arm in das dämmrige Licht einer Straßenlaterne und sah auf ihre Uhr. Inzwischen stand sie seit geschlagenen zwanzig Minuten hier herum. Hatte sie ihn vielleicht falsch verstanden? Daneben ging ihr auch noch eine andere, wesentlich unangenehmere Frage durch den Kopf. Weshalb hatte sie überhaupt versprochen, sich hier mit ihm zu treffen?
Er war ein völlig Fremder, von dem sie am Strand angesprochen worden war.
Die Avancen eines Typs vom College hatten ihr, vor allem gegenüber ihren Klassenkameradinnen, das Gefühl gegeben, etwas Besonderes zu sein. Vor allem hatte er einfach fantastische blaue Augen, doch sie hatte das Gefühl, Momma wäre von dem jungen Mann weniger beeindruckt gewesen. Vielleicht hatte sie gerade deshalb ja gesagt. Jetzt lief sie vor dem Nebeneingang der Disko auf und ab und schnipste die Asche einer Zigarette auf die Straße - auch dieser Ritus des Erwachsenwerdens hätte Momma sicher nicht gerade entzückt.
Dann hatte sie plötzlich wieder das Gefühl, beobachtet zu werden. Noch intensiver als beim letzten Mal.
Ihr Blick wanderte in die dunkle Gasse hinter ihr. Sie war schmal und voller dunkler Schatten, sonst war nichts zu sehen.
Dann blickte sie in Richtung der dunklen Fenster über ihrem Kopf. Vielleicht stand ja dort irgendein Perverser in der Dunkelheit und verfolgte, was sie tat. Also bitte, Dani, langsam wirst du wirklich paranoid.
Sie nahm den nächsten Zug von ihrer Zigarette und blies Rauchringe in die Luft. Während die Musik hinter der Metalltür wummerte, starrte sie in den sternenüber-säten Nachthimmel hinauf. Er war völlig klar.
Über der Tür der Diskothek flackerten kleine Lichter im Rhythmus der Musik. Genau wie er versprochen hatte, war in diesem Schuppen der Bär los. Da sie allerdings noch minderjährig war, käme sie ohne seine Hilfe nicht hinein.
Sie sah zu, wie sich die Rauchringe in Luft auflösten, als ihr mit einem Mal ein anderer Gedanke kam.
»Nie im Leben. Der Kerl hat mich ganz sicher nicht versetzt«, machte sie sich Mut.
Gleichzeitig hatte sie jedoch vor lauter Frustration einen dicken Kloß im Hals. Sie warf ihren Zigarettenstummel auf die Erde, stieß mit der Spitze ihres Schuhs gegen eine zerbrochene Bierflasche und hörte das Klirren auf dem Asphalt.
Sie hatte ihre Freundinnen im Hotel zurückgelassen und ihnen dafür, dass sie sie nicht verrieten, einen ausführlichen Bericht von ihrem Abend zugesagt. Nur, dass es nichts zu berichten geben würde, wenn nicht bald etwas geschah. So viel dazu, dass sie die neue Legende der St. Joseph's Highschool daheim in San Antonio würde, dachte sie gereizt.
Unwillig, ihr Vorhaben einfach aufzugeben, fächerte sie sich etwas Luft mit einer Hand zu. »Verdammt. Ich wette, mein Mascara ist schon total verschmiert. Wahrscheinlich sehe ich wie ein verfluchter Waschbär aus.«
Die feuchtheiße Luft klebte an ihrer Haut, mischte sich mit ihrem Schweiß und verdrängte den Duft ihres Parfüms. Und was noch schlimmer war, durch ihren leichten Sonnenbrand wurde das Gefühl der Hitze noch verstärkt. Blonde Strähnen fielen schwer und feucht auf ihre nackten Schultern und auf ihren Rücken, selbst ohne Spiegel wusste sie, dass ihre Frisur unrettbar verloren war. Die feuchte, salzhaltige Luft, die vom Ozean herüberwehte, hatte den üblichen Schaden angerichtet. Sie hatte sich zwei Stunden lang zurechtgemacht. Davon aber war jetzt nicht mehr viel zu sehen.
»Verdammt, Brandon. Wo bleibst du?«
Sie überlegte, ob sie sich ein Taxi nehmen sollte, um wieder ins Hotel zurückzufahren, dann blickte sie im fahlen Licht der Straßenlaterne an sich herab. Sie wollte, dass er sie in diesem Outfit sah. Durch die hautenge Jeans wurde ihre Figur und durch das blaue Träger-Top wurde ihre Augenfarbe vorteilhaft betont.
Plötzlich hörte sie ein Geräusch vom Eingang der Gasse, das Knirschen von Reifen und das Dröhnen eines Motors. Eilig sah sie auf, wurde aber vom Licht der
Scheinwerfer geblendet, weshalb sie die Augen zusammenkniff und eine Hand vor ihre Augen hob. Ein dunkler Van.
»Brandon?«, rief sie krächzend. »Brandon, bist du es?« Keine Antwort.
Der Fahrer stieg aus und warf die Tür des Vans hinter sich zu. Da die Laterne in seinem Rücken war, lag sein Gesicht im Schatten. Irgendetwas stimmte einfach nicht.
»Er konnte leider nicht kommen, Süße.« Die leise, dunkle Stimme des Mannes kroch ihr wie eine Spinne über die Haut. »Aber vielleicht nimmst du ja auch mich.«
Danielles Kehle war wie zugeschnürt. Sie ließ ihre Taschen fallen und fing an zu rennen. Vielleicht begnügte er sich ja mit Geld.
Doch das Glück hatte sie nicht. Hinter sich hörte sie schwere Schritte, die immer näher kamen, als ihr gellender Schrei die Luft durchschnitt, erschien plötzlich direkt vor ihr ein zweiter Mann. Sie versuchte, an ihm vorbeizurennen, doch er packte sie grob am Arm und kugelte ihr fast die Schulter aus.
»Neeeein!«
Der Mann riss sie zu sich herum, da sie keine andere Wahl mehr hatte, ballte sie kampfbereit die Fäuste und trat ihm, so fest es ging, gegen das Bein. Ohne auch nur zu zucken, schlug er ihr mit dem Handrücken ins Gesicht.
Der Schlag traf sie so hart am Kopf, dass sie das Gefühl hatte, ihr Schädel explodiere, sie fiel zu Boden, weil sie nur noch Sterne sah. Ihre nackte Haut schrammte über den Asphalt, dabei riss sie sich die Handballen und Ellenbogen auf.
Ich darf nicht aufgeben! Sie kämpfte darum, nicht das Bewusstsein zu verlieren. Wenn ich jetzt aufgebe, sterbe ich!
Zwei Schatten beugten sich so dicht über sie, dass sie nichts mehr von dem Licht am Ende der Gasse sah.
Danielle rollte sich auf den Rücken und schlug und trat nach allem, was ihr in die Quere kam. Dann wurde sie gepackt, eine Hand wurde ihr über den Mund gelegt, das Gewicht von einem Knie auf ihrer Brust raubte ihr die Luft. Ihre Lungen brannten, und sie atmete panisch durch die Nase ein.
Plötzlich spürte sie das Pieken einer Nadel in ihrem Genick, außer vor Schmerzen bekam sie vor lauter Angst am ganzen Körper eine Gänsehaut. Ihr Nacken brannte höllisch, und eine totengleiche Stille senkte sich über sie, als sie leblos in sich zusammensank und die Arme schlaff herunterhängen ließ.
Oh Gott, bitte, schrie sie in ihrem Kopf, brachte aber keinen Ton heraus.
Die Männerhand auf ihrem Mund drohte sie zu ersticken. Während das Betäubungsmittel sich in ihrem Blut verteilte, blickte sie ein letztes Mal zum Himmel auf. Sie sah das schimmernde Licht der Sterne, und wie in einem alten Film tauchten Bilder ihrer Mutter vor ihrem geistigen Auge auf.





Hier die Quelle: http://www.amazon.de/Shadowkiller-niemand-deinen-Schrei-Roman/dp/product-description/3442370973 12. September 2013