Samstag, 15. August 2015

Rezension: Die Kindermörderin von H. L. Wagner

Rezension: Die Kindermörderin von H. L. Wagner

Die Inhaltsangabe zu H.L. Wagners „Die Kindermörderin“ findet ihr oben.
Mir hat Wagners „Die Kindermörderin“ gut gefallen, obwohl man sich an seinen Stil erst gewöhnen muss. Er ist anders als alles, was ich bisher gelesen habe, aber gerade deshalb sehr lesenswert. Leider ist relativ klar, wie das Buch endet, da das Thema des Titels erst ganz am Ende des Trauerspiels aufgenommen wird.
Immer wieder kamen mir einige Motive aus „der Kindermörderin“ bekannt vor. So zum Beispiel die „Vergewaltigung“ bzw. „Verführung“ von Evchen, die mir aus Goethes „Faust I“ und aus der „Marquise von O...“ von Heinrich von Kleist bekannt vorkam. In Georg Büchners „Woyzeck“ wird Marie schwanger von Woyzeck ohne mit ihmBei der Marquise haben wir auch das Motiv der Frau, die schwanger wird, obwohl sie nicht verheiratet ist, genau wie in „Faust I“ Gretchen, die auch schwanger wird, weil sie sich hat verführen lassen. Ihre Mutter stirbt durch sie und ihr Kind tötet sie. Auch den Schlaftrunk kannte ich aus „Faust I“. Genau wie in Wagners „Die Kindermörderin“ versucht der Vater des Kindes die Mutter zu schützen, obwohl sie das gemeinsame Kind ermordet hat. In Heinrich von Kleists „Die Marquise von O...“ will der Vergewaltiger der Marquise am Ende doch „das Richtige tun“ indem er sie ehelichen will. Auch von Gröningseck aus Wagners „Die Kindermörderin“ möchte Evchen am Ende heiraten. Aus „Irrungen, Wirrungen“ von Theodor Fontane kam mir die Affäre eines Adligen mit einer Bürgerlichen bekannt vor.

Obwohl oder gerade weil mir so viele Themen so bekannt vorkamen, habe ich Wagners „Die Kindermörderin sehr genossen. Das Trauerspiel ist zwar relativ kurz, aber dafür passiert relativ viel und dennoch hat man nicht das Gefühl, dass der Autor die Geschichte vorantreiben wollte oder dass er sie nur sehr oberflächlich erzählt hat, wobei mir die Vorgeschichte zwischen Evchen und von Gröningseck ein bisschen gefehlt hat und eine detailliertere Beschreibung von Evchens Charakter. Aber im Großen und Ganzen hat mir H. L. Wagners „Die Kindermörderin“ gut gefallen und ich kann sie nur jedem ans Herz legen. 

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