Dienstag, 28. Juni 2016

Rezension: Erzählungen, Fabeln, Reden vom Stricker

Rezension: Erzählungen, Fabeln, Reden vom Stricker

Die einzelnen Inhaltsangaben "Erzählungen, Fabeln, Reden" vom Stricker findet ihr im Label "der Stricker".
Da ich noch nicht so viel Erfahrung mit mittelhochdeutscher Literatur habe, weiß ich nicht wie differenziert meine Meinung ist, aber ich hoffe, dass sie trotzdem vergleichsweise gut ist.
In dieser Ausgabe des Reclam-Verlags finden wir sowohl den mittelhochdeutschen als auch den neuhochdeutschen Text. Auf der rechten Seite finden wir das Original und auf der linken Doppelseite dann die „Übersetzung“. Am Originaltext will ich nicht herum meckern, weil ich sicher bin, dass das nur zu Tränen führen würde, aber an der Übersetzung möchte ich dann doch meine Rezensionskünste ausleben. Dass die Übersetzungen oftmals schwierig sind, weil wir heute diese Begriffe anders verwenden, ist klar. Worte wie „maget“ oder „vrouwe“, was auf neuhochdeutsch „Magd“ oder „Frau“ heißt, ist relativ klar, aber wusstet ihr, dass die Worte inzwischen andere Konnotate haben? Wenn ich eine Frau heute als Magd bezeichne, dann assoziiert man damit meistens eine eher negativbeladenen Frauenbegriff. Daraus ergeben sich natürlich Übersetzungsschwierigkeiten. Bleibt man möglichst nah am Text indem man „vrouwe“ mit „Frau“ übersetzt, oder übersetzt man es mit „Edeldame“, denn dieses Wort würde dem mittelhochdeutschen Original eher entsprechen. Dementsprechend haben wir auch bei anderen Begriffen solche Schwierigkeiten, die dann zu teilweise sehr abstrusen Übersetzungen führen.
Ansonsten haben mir die kurzen Fabeln neben dem Märchen, den Mären und den Reden eigentlich recht gut gefallen. Natürlich fand ich die Behandlung Frauen gegenüber doch sehr unschön um es mal ganz vorsichtig auszudrücken. Es mag damals vielleicht in Ordnung gewesen sein, seine Frau einzumauern oder sie so lange zu verprügeln bis ihr nur die Haut nur noch in Fetzen vom Körper hing, aber das halte ich aus heutiger Sicht für ein kleinwenig überzogen (um es mal so kleinzureden, dass jeder merkt, wie sehr ich es hier überspitze).
An eigentlich fast jedem Ende der einzelnen „Geschichten“ finden wir eine Moral wie wir sie von Fabeln schon oftmals kennen („Und die Moral von der Geschicht', Frauen schlagen tut man nicht!“ oder so). Das hat mir ganz gut gefallen, obwohl es einem natürlich die Möglichkeit nimmt seine eigenen Interpretationen mit einzubringen, aber man darf sich davon nicht abhalten lassen sich an den Geschichten zu versuchen.
Alles in allem ein schönes Werk, das man zwar von seinen moralischen Ansätzen her nicht in die heutige Zeit übertragen sollte, aber dennoch kann man seine Freude an den Originaltexten und den Übersetzungen haben, sodass ich dieses Buch vom Stricker gerne weiterempfehle, denn man findet hier einen mittelhochdeutschen Text mitsamt Übersetzung für kleines Geld. 

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