Sonntag, 4. Dezember 2016

Rezension: Effi Briest von Theodor Fontane

Rezension: Effi Briest von Theodor Fontane 
 
Die Inhaltsangabe zum Roman „Effi Briest“ von Theodor Fontane findet ihr oben.
Ich muss sagen, an diesem Roman „Effi Briest“ von Theodor Fontane hing ich ganz schön lange, was aber nicht direkt an dem Roman, sondern an meiner Zeiteinteilung lag, denn dieser Roman ist, auch wenn manchmal recht langwierig, doch sehr schön geschrieben.
Von Fontane las ich bereits „Irrungen, Wirrungen“ und „Frau Jenny Treibel“, sodass mir einige Motive bekannt vorkamen. Dies ist eines der spannenden Sachen, wenn man mehrere Werke von einem Autor liest. Man erkennt Parallelen und vergleicht Aspekte aus den verschiedenen Werken. Die Themen aus „Effi Briest“ fand ich wirklich interessant. Wir finden eine junge Frau vor, die von ihren Eltern mehr oder weniger in eine lieblose Ehe gedrängt wird und dann dort, wo sie mit ihrem Mann, der mehr auf seine Karriere bedacht ist, als darauf Zeit mit seiner Frau zu verbringen, vereinsamt. Sie wird von den Umständen in eine Affäre getrieben, von der sie später sagt, dass sie den Mann auch nicht liebte. Allerdings bekommt sie Aufmerksamkeit von ihm. Auch scheint Crampas spontaner und lebendiger zu sein, was seinen Reiz für die junge Frau ausmacht. Ihr Mann bemerkt die Affäre erst, auch wenn er zuvor bereits eifersüchtig war, als er die Briefe seiner Frau bzw. die Briefe ihres Liebhabers an seine Frau findet. Er wird von den äußeren Umständen dazu getrieben, die Frau zu verstoßen, die er, wie er behauptet, noch liebt und seinen „Rivalen“, der ja eigentlich kein Rivale mehr ist, zu töten. Und gerade in dieser Konstellation erkennt man, meiner Ansicht nach, unglaublich viel Gesellschaftskritik. Effi fällt von der gehobenen Klasse immer tiefer bis sie schließlich mittellos und arm unten angelangt ist, aber damit noch nicht genug: Sie stirbt. Wenn nur eine Entscheidung anders getroffen worden wäre, wenn nur ein Detail anders gekommen wäre, dann wäre alles anders gekommen oder zumindest hätte alles anders kommen können.
Auch die recht nüchternen Enden, die wir oftmals bei Fontane finden, sind sehr interessant. In den Romanen, die ich normalerweise lese, haben wir durchweg gute Enden und vielleicht sind gerade deshalb Fontanes Romane so reizvoll für mich.
Mir fiel es oftmals schwer mit Effi mit zu fiebern, denn ich kann ihre Entscheidungen, was sicherlich auch daran liegt, dass der Roman 1894/95 geschrieben wurde, nicht nachvollziehen. Sie ergibt sich einfach in die Entscheidung, die ihre Eltern für sie bezüglich ihrer Zukunft und ihrer Ehe treffen und ist ihrem Mann für seine liebevolle, zärtliche Art gegen sie, dankbar, sodass sie ihren Mann, wenn auch nicht liebt, so doch einigermaßen respektiert und ihn sogar mag, wenn sie auch mit seine Art zu leben und seinem Charakter, der alles zu bestimmen scheint und auch ihr Leben bestimmt, nicht wirklich umzugehen weiß und ihn sich vermutlich freiwillig nicht als Gemahl ausgesucht hätte. Auch hier finden wir ein hohes Maß an Gesellschaftskritik.
Alles in allem mag ich Fontane und fand auch diesen Roman „Effi Briest“ von ihm sehr schön. Was ich bemerkenswert im eigentlichen Wortsinne fand, war, dass er manchmal einen längeren Sachverhalt in einem Nebensatz beschreibt und manchmal, gefühlte zehn Seiten Umgebungsbeschreibung liefert, sodass da eine Spannung entsteht, die sich durch den gesamten Roman zieht. Dennoch oder vielleicht auch deswegen ist „Effi Briest“ ein schöner Roman, den man zwar nicht mal eben an ein oder zwei Nachmittagen runterliest, der aber auf jeden Fall zu den schöneren Seiten der Kanonliteratur gehört und deshalb gerne und gut gelesen werden kann und darf.

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